Europa-Gemeinde Dobel

Auftaktveranstaltung zur Jugend- und Kommunalpolitik im Landkreis Calw
 

Unter dem Motto „Europa braucht die Jugend von heute, damit ein Europa von morgen entstehen kann“ hatte der Landtagsabgeordnete Carl Christian Hirsch MdL die Europaabgeordnete Marie-Sophie Christ im Rahmen ihrer Sommertour durch Nordbaden zu einer Gesprächsrunde in die Pfarrscheuer der Europagemeinde Dobel eingeladen. Im Fokus der Veranstaltung für den Landkreis Calw stand vor allem die Rolle von Vereinen und Kommunen, die das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger für den europäischen Austausch unterstützen und fördern. Dazu waren engagierte Vertreterinnen und Vertreter unter anderem aus Nagold, Calw, Bad Liebenzell, Bad Herrenalb und Bad Wildbad nach Dobel gekommen.
 

Praxisbeispiel: Deutsch-französische Musikfreizeit auf dem Dobel
 

Als anschaulicher Ausgangspunkt der Diskussion diente die deutsch-französische Musikfreizeit im Schwarzwald, die vom Arbeitskreis Musik in der Jugend e. V. (AMJ) Baden-Württemberg organisiert wird. „Seit sechs Jahren bringt diese Initiative junge Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und Frankreich zusammen und zeigt eindrucksvoll, wie aus persönlichen Begegnungen über Ländergrenzen hinweg dauerhafte Freundschaften, gegenseitiges Verständnis und echter europäischer Zusammenhalt wachsen können“, betonte Hirsch, der sichtlich begeistert Sara Dicks, die Leiterin des Projekts, in der Gesprächsrunde begrüßte.
 

„Derzeit verbringen 40 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich eine intensive, neuntägige Probenphase im EC-Zentrum auf dem Dobel, um ein anspruchsvolles Gemeinschaftskonzert zu erarbeiten“, berichtete die 28-jährige Umwelt- und Naturwissenschaftlerin Dicks aus Karlsruhe. Gemeinsam mit Mona Primke und Lisa Ecker organisiert sie diese Freizeit seit nunmehr sechs Jahren.
 

Aus eigener Erfahrung Begeisterung stiften
 

Die Idee dazu entspringt ihrer persönlichen Geschichte: Als passionierte Hornistin besuchte Dicks in ihrer Jugend selbst eine Freizeit, schloss dauerhafte Freundschaften und entwickelte ihre Liebe zum Nachbarland Frankreich. Auch ihr heutiges Organisationsteam lernte sie 2014 auf einer gemeinsamen Musikfreizeit kennen. Mit großem ehrenamtlichem Engagement und ihrer Liebe zur Musik begeistern sie die jungen Nachwuchstalente so sehr, dass die Plätze für ihre Freizeiten bereits nach wenigen Stunden ausgebucht sind: „Viele haben Geschwister, und diese berichten ihren Freunden davon“, freut sich Dicks über den großen Zuspruch.
 

Herausforderungen bei der Finanzierung und Ruf nach verlässlicher Förderung
 

Neben den Erfolgen brachte die Projektleiterin in der Runde jedoch auch ihre konkreten Erfahrungswerte zur Projektfinanzierung ein: „Über die Planung läuft alles. Wenn wir eine Freizeit ausschreiben, müssen wir genau wissen, über wie viel Geld wir verfügen können. Gibt es die Gelder nicht rechtzeitig oder sicher, müssen wir Lücken schließen, um Jugendlichen so ein Erlebnis unter Gleichgesinnten überhaupt zu ermöglichen.“ Dazu richtete sie einen konkreten Vorschlag an die Politik: „Feste Sätze bei Förderprojekten wären sinnvoll, um verlässlich damit arbeiten zu können.“ Hirsch, der selbst 20 Jahre lang im Musikverein gespielt hat, ist es wichtig, Internationalität in die Breite der Gesellschaft zu bringen: „Die Förderlandschaft ist mit einer großen Herausforderung verbunden, zumal es unterschiedliche Töpfe dazu in Europa gibt.“
 

Mit dieser Vorlage kam Christ zu Wort: „Europa wird für junge Menschen dort lebendig, wo sie einander begegnen. Deshalb müssen wir grenzüberschreitende Initiativen weiter stärken und noch mehr jungen Menschen die Chance geben, ihre eigene Europageschichte zu schreiben.“ Mit ihrer eigenen Europageschichte zum Schüleraustausch in Frankreich und später mit Erasmus im Studium lernte sie Menschen und das Nachbarland kennen. „Wer Europa selbst erlebt, schaut anders auf Europa“, so Christ, die mit einem breiten Spektrum an Förderprogrammen aufwartete und betonte: „Europa muss für junge Menschen erlebbar sein.“ Mit mehr als einer Million Erasmus-geförderten Studierenden aus Deutschland und über 40.000 Travel-Pässen für 18-Jährige heißt ihre Devise: „Begegnung schafft Verständnis und europäische Identität stärker als jede Broschüre. Wir fordern daher, Erasmus weiter zu stärken, und das bedeutet von 2028 bis 2034 ein Budget von 47,39 Mrd. Euro.“ Viele Menschen verbinden EU-Förderung nur mit großen Projekten in Brüssel. Daher ist es für sie wichtig, kleine, lokale und ehrenamtlich getragene Projekte länderübergreifend weiter gezielt zu unterstützen und neue Impulse zu setzen: „Der politische Wille ist gegeben, und seitens der EU ist es wichtig, hierzu Unterstützung zu geben.“
 

Grenzüberschreitende Initiativen und Ehrenamt als Herzstück
 

In der anschließenden Diskussion tauschten sich Hirsch und Christ mit den Gästen aus den umliegenden Kommunen darüber aus, wie Städtepartnerschaften und grenzüberschreitende Formate junge Menschen noch gezielter erreichen können. Dabei wurde deutlich, dass dem lokalen Ehrenamt eine Schlüsselrolle zukommt: Vereine und lokale Akteure schaffen die Begegnungsräume vor Ort, in denen die europäische Idee im Alltag greifbar und lebendig wird.
 

„Europa ist kein fernes Konstrukt, sondern beginnt direkt bei uns vor der Haustür. Dieses musikalische Jugendprojekt ist der beste Beweis dafür, dass Europa vor Ort gelebt wird“, betonte Marie-Sophie Christ abschließend. Durch die gezielte Förderung von Jugendbegegnungen und den Ausbau regionaler Partnerschaften soll nun das europäische Bewusstsein bei der jüngeren Generation im Landkreis Calw künftig noch stärker verankert werden: „Europa muss dort ankommen, wo die Menschen leben: in unseren Kommunen, Vereinen, Schulen und Jugendinitiativen,“ so Hirsch, der zusammen mit Christ den Austausch mit den Akteuren künftig weiter vorantreiben wird. 

Foto Zoller: Landtagsabgeordneter Carl Christian Hirsch MdL hatte die Europaabgeordnete Marie-Sophie Christ im Rahmen ihrer Sommertour durch Nordbaden zu einer Gesprächsrunde in die Pfarrscheuer der Europagemeinde Dobel eingeladen.
Foto Zoller: Gesprächspartner in der Pfarrscheuer
Foto Zoller: Viel Applaus und stehende Ovationen gab es für das Konzert
Foto Zoller: Das Konzert bescherte dem Dobel einen vollen Kursaal
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