Flammen-Wahnsinn am Falkenstein: Ein einziger Böller bringt den Wald in „Lebensgefahr“
(SZ) Es sind Tage, an denen die Natur ohnehin schon hörbar um Luft ringt. Bei sengenden, lebensbedrohlich hohen Temperaturen, die Mensch, Tier und Pflanzenwelt gleichermaßen an den Rand der Erschöpfung treiben, gleicht unser Wald einem riesigen Pulverfass. Wir erleben Waldbrandgefahrenstufe 5 und einen Zustand absoluter Alarmbereitschaft, in dem jeder Funke eine Katastrophe auslösen kann. Doch während die meisten Bürger am Sonntagnachmittag mit dem Fächer wedelnd im letzten verbliebenen Schatten ihrer Terrassen Schutz vor der Hitze suchten, erlaubte sich jemand einen unfassbaren, brandgefährlichen „Scherz“.
Ein Knall, der alles verändert
Es war ein drückend heißer Sonntagnachmittag. Bis plötzlich ein einzelner, dumpfer Knall die Trägheit des Tages zerriss. Ein Böller. Vielleicht ein Kellerfund in einer Garage, den jemand achtlos zünden wollte? Man weiß es nicht. Doch der Ort des Geschehens macht fassungslos: Der Sprengkörper wurde direkt oben am exponierten Falkenstein-Felsen von Bad Herrenalb gezündet.
Was kaum 15 Minuten später folgte, jagte den Einwohnern von Bad Herrenalb einen eisigen Schauer über den Rücken: Gefühlte zehn Minuten lang gellten die Sirenen unaufhörlich durch das Tal. Der absolute Albtraum eines jeden Sommers war bittere Realität geworden.
„Es gingen mehrere Anrufe bei der Leitstelle ein, die eine Rauchsäule beobachtet hatten“, berichtet Martin Fackiner, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Herrenalb.
Bereits auf der Anfahrt bot sich den Einsatzkräften eine Rauchsäule, die in den flirrenden Sommerhimmel aufstieg. „Wir haben sofort von dem gemeldeten „Kleinbrand“ auf Vollalarm für alle Abteilungen erhöht“, so Fackiner, der die Situation vor Ort als „hochgradig kritisch beschreibt“.
Pendeleinsatz unter Extrembedingungen
„Am steilen Felsen gibt es kein Löschwasser!“ Während das Thermometer unbarmherzig nach oben kletterte, mussten die Einsatzkräfte in voller, schwerer Montur gegen die Hitze und ein drohendes Inferno ankämpfen. Ein logistischer Kraftakt begann: Im pausenlosen Pendelverkehr mussten Löschfahrzeuge das dringend benötigte Wasser den Berg hinaufschaffen.
Besonders bitter: Eigentlich feierten die Wehrleute gerade das Bernbacher Feuerwehrfest. Statt verdienter Geselligkeit hieß es für 42 Einsatzkräfte der Stadt und Höhendörfer von Bad Herrenalb von jetzt auf gleich: Gefahr im Steilhang. „Das Feuer hatte sich bereits vom Aussichtspunkt nach unten an den Felsenfuß gefressen“, betont Fackiner, der darüber berichtet, dass die Kameraden auch dort auf tückische Glutnester stießen.
Glück im Unglück – aber das Unverständnis bleibt
Dank des blitzschnellen Einsatzes der Feuerwehr konnte binnen einer Stunde schlimmeres verhindert werden. Die Bilanz des Wahnsinns: Eine Fläche von rund 20 Quadratmetern wurde vom Feuer kahlgefressen. „Wir Gott sei Dank relativ zügig alles im Griff“, so Fackiner erleichtert. Das war buchstäblich Glück im Unglück. Aber das hätte eine große Brandkatastrophe in der der Region werden können.
n der Bevölkerung und bei den Rettern bleibt nach diesem Sonntagmittag vor allem eines zurück: absolute Fassungslosigkeit über so viel brandgefährlichen Leichtsinn.. Martin Fackiner warnt daher nochmals mit aller Eindringlichkeit: Bei Waldbrandgefahr Stufe 4 von 5 ist absolute, kompromisslose Vorsicht geboten! Wer in diesen Zeiten gedankenlos mit Feuer oder Feuerwerk hantiert, gefährdet nicht nur die ohnehin vom Klimawandel gebeutelte Natur, sondern riskiert leichtfertig das Leben von Mensch und Tier.

