Großes Doppeljubiläum in Bad Herrenalb:
(SZ) Ein geschichtsträchtiger und lebendiger Tag für die Freiwillige Feuerwehr Bad Herrenalb: Am Samstag stand die Kurstadt ganz im Zeichen der Retter von morgen. Mit einem fulminanten Doppeljubiläum feierten die Brandschützer das 40-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr zusammen mit dem 15. Geburtstag der Bambini-Feuerwehr. Mit 130 Kinder und Jugendlichen aus zahlreichen Wehren des Landkreises Calw verwandelten sie das Areal der Grundschule in eine Arena voller Action, Teamgeist und kameradschaftlichem Wettbewerb. Neben den Gastgebern waren Nachwuchskräfte aus Oberreichenbach, Simmozheim, Bad Wildbad, Höfen, Bad Liebenzell, Althengstett, Dobel, Stammheim und Altburg sowie aus der Nachbargemeinde Loffenau angereist, um die Prüfungen zu den begehrten Abzeichen der Jugendflamme 1 und 2 zu absolvieren.
Kommandant Martin Fackiner blickte bei seiner Begrüßung sichtlich stolz auf die Entwicklung der Abteilungen zurück und zog eine beeindruckende Bilanz. Im Jahr 2011 sei man mit zehn Bambinis gestartet, heute bestehe die Kinderfeuerwehr aus 25 Jungen und Mädchen sowie fünf Betreuern. Die Jugendfeuerwehr wiederum habe 1986 mit fünf Jugendlichen begonnen und zähle heute 23 Aktive. „Das ist ein Invest in unsere Zukunft“, betonte Fackiner und richtete ein großes Lob an Julia Keller und Lena Herrmann die mit ihrem Organisationsteam das logistische Großereignis stemmten: „Das ist eine Benchmark.“
Bevor die älteren Jugendlichen an den Prüfungsstationen gefordert waren, standen die jüngsten Brandschützer im Mittelpunkt. Die Bambini-Gruppen aus der Abteilung Stadt, Bernbach und Neusatz-Rotensol hatten im Vorfeld die Aufgaben der sogenannten „Kinderfunken“ erfolgreich gemeistert und wurden unter großem Applaus mit Urkunden geehrt. Der Festakt bot zudem den würdigen Rahmen für besondere Auszeichnungen. Schatzmeister Christian Pribbernow der FFW Bad Herrenalb wurde für sein langjähriges Engagement und die stetige Unterstützung der Jugend- und Bambini-Feuerwehr geehrt. Einen doppelten Grund zum Feiern hatte Karl-Heinz Weißinger, der an seinem 65. Geburtstag wie selbstverständlich erneut in der Küche stand, um die Verpflegung aller Gäste sicherzustellen. Seine Frau Klara Weißinger wurde für ihren unermüdlichen Einsatz für die Jugend und die tatkräftige Hilfe, unter anderem beim Kreisfeuerwehrzeltlager, mit der Floriansplakette der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg ausgezeichnet. „Das ist für den Einsatz für die Jugend und die stets große Unterstützung unserer Feuerwehr“, würdigte Fackiner das Ehepaar.
Die Auszeichnung wurde von der Calwer Kreisjugendfeuerwehrwartin Janina Grimm überreicht, für die der Moment eine ganz persönliche Bedeutung hatte. Sie führt eine lange Familientradition fort, denn ihr Großvater Kurt Grimm war einst Kreisjugendwart der ältesten Jugendfeuerwehr im Landkreis. Seit 2012 ist sie selbst in der Jugendfeuerwehr aktiv. „Es geht um Teamgeist und Zusammenhalt und darum, dass man gemeinsam etwas erreichen kann“, erklärte Grimm sichtlich bewegt und fügte hinzu, dass die Arbeit im Nachwuchsbereich für sie kein bloßes Hobby, sondern echte Berufung sei.
Nach dem offiziellen Teil standen die Jugendlichen im Mittelpunkt. Denn nun galt es, das Erlernte in die Praxis anzuwenden. Um die Jugendlichen sukzessive an die aktiven Aufgaben der FFW heranzuführen und mit 18 Jahren direkt in die Einsatzabteilung übernehmen zu können, sind die gestuften Prüfungen der Jugendflamme ein essenzieller Baustein. Für die Altersgruppe von 10 bis 14 Jahren waren daher im Gerätehaus sieben Stationen für die Jugendflamme 1 vorbereitet. Hier galt es, Fingerfertigkeit beim Schläuche aus- und einrollen zu beweisen, mit Technischem Wissen zu punkten, Knoten zu knüpfen, einen korrekten Notruf abzusetzen oder Hydrantenschilder im Straßenraum richtig zu deuten.
Für die Jugendlichen ab 14 Jahren ging es bei der Jugendflamme 2 rund um die Grundschule im Dobeltal sowie am nahegelegenen Kaltwassertretbecken am Hirschgehege an sechs Stationen weitaus intensiver zur Sache. Unter anderem musste ein Unterflurhydrant mittels Standrohr fachgerecht angezapft werden, um kontrolliert Wasser aus dem öffentlichen Netz zu entnehmen. Besonders spannend gestaltete sich die Wasserentnahme direkt aus dem Bach, wobei Ventile richtig sitzen müssen und die Saugleitung korrekt für das Wasser platziert werden muss. „Alle sind engagiert, manche sind natürlich auch nervös, aber hier zählt das Wissen und nicht die Schnelligkeit“, so Armin Höfeer von der Feuerwehr Bad Herrenalb-Stadt der das Geschehen ganz genau beobachtete.
Niko Bleich von der Freiwilligen Feuerwehr Altburg, der mit elf Jugendlichen angereist war, lobte das Event als einen Meilenstein im Landkreis. „Das ist eine Premiere hier in Bad Herrenalb. Durch das Jubiläum der Jugend ist es eine der größten Veranstaltungen im Kreis Calw und damit eine tolle Sache“, stellte er fest. Auch Lukas Ostrowsky, Jugendwart der FFW Bad Liebenzell, zeigte sich erfreut, mit seinen zwölf Jugendlichen und vier Betreuern das komplette Aufgabenfeld der Jugendflamme unter solch professionellen Bedingungen abarbeiten zu können.
Die sommerlichen Temperaturen von über 30 Grad verlangten den Teilnehmern in ihren dicken Feuerwehranzügen alles ab. Gustav Löwen, Ausbilder aus Althengstett, der mit sieben Jugendlichen vor Ort war, hob daher einen ganz praktischen Aspekt der Organisation hervor: „Die gute Organisation und die Getränkeausgabe sind gerade bei dieser Hitze für die Jugendlichen von großer Wichtigkeit.“
Die rundum gelungene Durchführung zog auch das Lob der übergeordneten Führungskräfte nach sich. Tido Lüdtke, stellvertretender Kreisbrandmeister im Landkreis Calw, zeigte sich begeistert vom logistischen Aufwand und der Attraktivität der Übungsplätze: „Der Ablauf der Organisation und die überaus interessant vorbereiteten Stationen, die interessant gestaltet sind, begeistern. Das ist ein sehr großer Aufwand und das Orga-Team verdient volles Lob.“ Ein Fazit, dem sich Bad Herrenalbs Bürgermeister Klaus Hoffmann im Namen der Stadt vollumfänglich anschloss. Er betonte die fundamentale Bedeutung der Nachwuchsarbeit für das Gemeinwesen: „Aus Kindern werden Jugendliche und daraus dann die Kameraden, die im Ehrenamt als Freiwillige Feuerwehr unsere Gemeinde schützen.“
Text und Bilder Sabine Zoller

