Neues Zuhause für Schwalben, Fledermäuse und Co. auf der Schweizer Wiese

(SZ) Auf der Schweizer Wiese in Bad Herrenalb soll in Kürze ein neuer Artenschutzturm entstehen.„Wir haben bereits 2025 ein solches Projekt in Hirsau mit Hilfe von LEADER gestemmt und sind nun überglücklich, dass wir ein zweites ‚Hotel‘ für stark bedrohte Tierarten auch im nördlichen Zipfel des Landkreises in Bad Herrenalb aufstellen können“, freut sich Renate Fischer, Vorsitzenden der NABU-Ortsgruppe Calw . Bis zum Durchbruch war es jedoch ein bürokratischer Kraftakt: Zunächst musste der optimale Standort festgelegt werden, gefolgt vom offiziellen Genehmigungsverfahren durch das Bauamt der Stadt Bad Herrenalb. Zudem wurde ein Pachtvertrag vereinbart, den die Stadt der Naturschutzorganisation freundlicherweise kostenfrei zur Verfügung stellt.
 

Nach der Zusage der LEADER-Förderung in Höhe von 80 Prozent war der Weg endgültig frei. Der Bauauftrag für das rund 16.000 Euro teure Vorhaben wurde Ende Mai erteilt. Dank der LEADER-Mittel verbleibt beim NABU lediglich ein Eigenanteil von etwa 5.000 Euro, der durch Spenden weiter abgefedert wird: „Die Sparkasse hat uns bereits eine Spendenzusage von 1.000 Euro gegeben“, erklärt Fischer dankbar. Mit dem Ende der Sommerferien rechnet die Vorsitzende mit der Auslieferung des beeindruckenden Bauwerks.
 

Dringend benötigter Lebensraum gegen den Artenrückgang
 

Der Handlungsbedarf ist hoch: Bundesweit und regional gehen die Bestände vieler Vogel- und Fledermausarten seit Jahrzehnten drastisch zurück. In Baden-Württemberg sinken die Bestände von Mauerseglern jährlich um etwa 9,5 Prozent, bei Mehlschwalben liegt der Rückgang bei rund 5,7 Prozent pro Jahr. Hauptursachen dafür sind fehlende Nistmöglichkeiten an modernen oder sanierten Gebäuden sowie der Verlust von Lebensraum und Nahrung durch Flächenversiegelung. Auch bei den Fledermäusen hat in den letzten 50 Jahren ein dramatischer Rückgang stattgefunden, da auch hier Nahrungsmangel und Quartierverlust als Hauptgründe zu nennen sind. „Durch den Aufbau des Artenschutzturmes möchten wir die schon vorhandenen Populationen von Mehlschwalben, Mauerseglern, Haussperlingen, Staren und Fledermäusen in Bad Herrenalb weiter stärken“, beschreibt Fischer das Ziel der Maßnahme. Da bereits Tiere in der Nähe ansässig sind, rechnet sie mit einer schnellen und erfolgreichen Besetzung.Das neue Artenschutzhaus wird auf einem sieben Meter hohen Stahlmast verankert und besitzt einen Durchmesser von rund 2,50 Metern. Es bietet nicht nur Brutplätze für Schwalben, Mauersegler, Höhlen- und Nischenbrüter wie Hausrotschwanz oder Rotkehlchen, sondern auch Ganzjahresquartiere und Wochenstuben zur Aufzucht von Jungtieren für spalten- und hohlraumbewohnende Fledermäuse.Wie schon beim 7,20 Meter hohen Schwesterturm auf der Grünanlage „Flößerwasen“ in Hirsau kommt moderne Technik zum Einsatz: Ein am Mast angebrachter Technikkasten dient als solarbetriebene „Klang-Attrappe“. Sie sendet spezifische Lockrufe aus, um Schwalben und andere Vögel sanft auf das neue Angebot aufmerksam zu machen.
 

Erlebnispunkt für Spaziergänger und Schulen
 

Das Projekt zahlt direkt auf das LEADER-Handlungsfeld „Vielfältige Kulturlandschaft erhalten und Biodiversität stärken“ ein. Neben dem praktischen Artenschutz soll der Turm auch Menschen zusammenbringen: Spaziergänger, Wanderer, aber auch Schulklassen und Kindergartengruppen sind eingeladen, das rege Treiben am Turm zu beobachten und Natur hautnah zu erleben.

Text und Foto Zoller: Renate Fischer zeigt das Artenschutzhaus das in Hirsau steht
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