Pflanztag auf dem Wilhelmskreisel

Wildes Bunt auf öffentlichem Grün: auch dank Schotter kommt langfristig die Biodiversität – Geduld wird belohnt
 

Schaufeln, Rechen und Zwiebelstecker sind das Lehrmaterial bei „Natur nah dran“. Gemeinsam mit rund 30 Mitarbeitenden aus anderen Städten und Gemeinden hat der Bauhof von Neuenbürg am Donnerstag, 24. September 2026 mehrere öffentliche Grünflächen mit Wildpflanzen bestückt. Das ist der Grundstein für Lebensräume für Insekten, Reptilien und Vögel, die mit dem NABU-Projekt „Natur nah dran“ bis Mitte 2027 angelegt werden. Neuenbürg ist eine von zwei Demonstrationskommunen: Exemplarisch werden hier Schulungen für sieben weitere Kommunen durchgeführt.
Die Bürgermeister Fabian Bader begrüßte die Teilnehmenden und freut sich auf „Natur nah dran“: „Das Projekt bietet eine wunderbare Gelegenheit, neue Methoden kennenzulernen, wie wir hier in Neuenbürg Grünflächen zukunftsfähig gestalten können. Wir freuen uns, dass wir die Mitarbeitenden der anderen Kommunen hier bei uns zu Gast haben.“
„Die Bürgerinnen und Bürger können sich auf mehr Summen und Brummen mitten in ihrer Nachbarschaft freuen. Klar, es profitieren Bienen und Schmetterlinge – und gleichzeitig laden die naturnahen Flächen Jung und Alt zum Verweilen, Staunen und Erleben ein“, schwärmt NABU-Projektleiter Martin Klatt. „Es lohnt sich, die Flächen zu beobachten, denn sie verändern sich ständig. In den ersten Monaten sehen sie noch karg aus. Aber schon im Frühjahr zeigen sich die ersten Blüten und mit ihnen die summenden Blütenbesucher. Wenn die ersten Frühblüher aufgehen, profitiert zum Beispiel die Mauerbiene“, beschreibt Klatt die Entwicklung.
 

Auch Schotter kommt zum Einsatz
 

Unter Anleitung des erfahrenen Naturgartenfachplaners Dr. Reinhard Witt lernten die Teilnehmenden verschiedene Anlagemethoden kennen. Dabei kommt es vor allem auf die Vorbereitung des Bodens an: „Je magerer der Boden, desto bunter, also artenreicher“, so Witt. „Außerdem wollen wir keine Samen oder Wurzelstücke von wuchernden Arten im Boden, die nachher die gewünschten Pflanzen verdrängen.“ An einigen Standorten wird der Boden deshalb durch Schotter und Kies ausgetauscht. Das gibt zunächst ein etwas trostloses Bild ab. Naturgartenplaner Witt wirbt für Geduld: „Die neuen Flächen sind nicht mit den verrufenen Schottergärten zu verwechseln, auch wenn sie aktuell so ähnlich aussehen. In einigen Monaten verwandeln sie sich zu Nahrungsquellen für Insekten.“
Im Mittelpunkt der Schulung in Neuenbürg stand die Neuanlage der Fläche am Kreisel Wilhelmshöhe. Auch ein Stopp an der Verbindungsstraße Neuenbürg-Arnbach durfte nicht fehlen. Hier wurde der Boden bereits streifenweise gefräst und eingesät, sodass sich die Wildpflanzen nach und nach über die gesamte Fläche ausbreiten. Insgesamt gestaltet Neuenbürg aktuell fünf Standorte um.
Neuenbürg ist eine von 15 Städten und Gemeinden, die dieses Jahr ins NABU-Programm „Natur nah dran“ aufgenommen wurden. Die Förderung umfasst neben finanzieller Unterstützung auch Schulungen für kommunale Angestellte. Außer Neuenbürg waren Mitarbeitende aus Abstatt, Albstadt, Altensteig, Bad Säckingen, Breisach, Jagstzell und Marxzell vertreten. Die übrigen Kommunen des Jahrgangs trafen sich bereits zur Schulung in der weiteren Pilotkommune, Mauer.
 

Hintergrund:
 

Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 136 Kommunen bereits über 290.000 Quadratmeter naturnah um.

Stadt Neuenbürg

Foto: Stadt Neuenbürg
Kompost wird in das mineralische Substrat eingearbeitet Foto: Stadt Neuenbürg
Abschlussfoto an der Anlagefläche in Arnbach Foto: Stadt Neuenbürg
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