ÜBERREGIONALE MOUNTAINBIKE-INITIATIVE INS LEBEN GERUFEN - LEGAL UND KONFLIKTFREI UNTERWEGS AUF AUSGEWIESENEN PFADEN IM WALD

Die Freizeit vor der Haustür zu verbringen, hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Anzeichen dafür waren die Lieferengpässe beim Kauf von Fahrrädern und Wohnmobilen. Als Reaktion auf diesen Bedarf sind unter anderem der Trailpark Schwanner Warte in Straubenhardt sowie die Bikeparks in Ispringen und Engelsbrand entstanden. Auch die Nutzung des Waldes haben immer mehr Mountainbiker für sich entdeckt. Allerdings hat die Sache, speziell in Baden-Württemberg, einen juristischen Haken: Das Landeswaldgesetz sieht nämlich vor, dass das Fahren auf Wegen unter zwei Metern Breite nur auf Strecken erlaubt ist, für deren Benutzung eine Ausnahmegenehmigung der Forstbehörde vorliegt.
 

„Um dafür zu sorgen, dass die Nutzung des Waldes in geregelten, legalen Bahnen verläuft und um ein attraktives Angebot mit Mehrwert für die Region auf die Beine zu stellen, hat sich dieser Tage eine Mountainbike-Initiative gegründet - und Landrat Bastian Rosenau hat für dieses tolle Projekt die Schirmherrschaft übernommen“, berichtet der Tourismus- und Wirtschaftsbeauftragte des Enzkreises, Jochen Enke.
 

Ziel der „Initiative Mountainbike Trailnetz Nordschwarzwald“ (kurz: IMTN) sei es, nach dem Vorbild des Rems-Murr-Kreises auch in unserer Region ein attraktives, legales Trailnetz in Form ausgewiesener Pfade im Wald zu realisieren und dazu die vielen einzelnen Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen. Einer der Initiatoren ist Wolfgang Jörlitschka, selbst begeisterter Mountainbiker: „More trails near to home“ – unter diesem Motto wollen wir die Vorteile des Projekts für alle, die sich für´s Mountainbiken, für den Wald und Naturschutz interessieren, herausarbeiten.“

Gleichzeitig gibt es Bestrebungen innerhalb der touristischen Organisationen, das Mountainbiken und Graveln (also das Befahren von Schotterpisten) in der Region attraktiver zu gestalten und Wegstrecken zu definieren. „In Calw haben wir bereits das Mountainbike-Grundwegenetz eingeführt, das die verschiedenen Kommunen und Gebiete innerhalb des Landkreises miteinander verbindet. Schön ist, dass sich auch der Enzkreis diesem Projekt angeschlossen hat“, erklärt Vanessa Lotz-Kijak von der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald. 
 

Zusammen mit dem Enzkreis-Touristiker Jochen Enke und Bettina Reitze-Lotz von der „Tourismusgemeinschaft Albtal Plus“ hat sie kürzlich eine studentische Arbeit im Studiengang „Nachhaltige Tourismusentwicklung“ an der Hochschule Heilbronn vergeben. Dort wird nun geprüft, unter welchen Voraussetzungen eine gemeinsame Mountainbike-Region entstehen kann.
 

Der Enzkreis hat zudem die Lenkungsgruppe „Interkommunales Trailnetz Nordschwarzwald“ (kurz: IK Trailnetz NSW) ins Leben gerufen, die dieser Tage bereits zum zweiten Mal im Landratsamt tagte. Dort trafen sich Forstamt, Forst-BW, Touristiker, Naturschützer und Mountainbiker, um die verschiedenen Standpunkte auszutauschen, die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen zu durchleuchten und künftige Maßnahmen zu koordinieren. So sollen gemeinsam konkrete Kriterien und Planungen zur Umsetzung eines Trailnetzes erarbeitet werden. Dazu wird zeitnah für zwei oder drei ausgewählte Pilotstrecken eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden, um so hilfreiche Erkenntnisse für das Gesamtprojekt zu erhalten.
 

„Vom Jäger bis zur Natur-, Tier- und Artenschützerin, vom Spaziergänger bis zur Wanderin - wir wollen alle Interessensgruppen einbinden“, betont Jochen Enke, der sich wie seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sehr über das Zustandekommen des interkommunalen und überregionalen Projektes freut. Auch die Landkreise Raststatt und Karlsruhe sowie die Stadt Pforzheim hätten bereits Interesse signalisiert und darum gebeten, über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden gehalten zu werden.
 

„Ein Trailnetz bietet den Fahrerinnen und Fahrern von Mountainbikes die Möglichkeit, ihr Hobby legal und überregional auf ausgewiesenen Pfaden im Wald auszuüben“, so Landrat Rosenau abschließend. „Ziel ist in jedem Falle, dass sich die verschiedenen Nutzergruppen im Wald konfliktfrei und im Einklang mit naturschutz- und forstrechtlichen Vorgaben bewegen können. Insofern unterstütze ich die Arbeit der Initiative und der Lenkungsgruppe gerne."

(enz)

Foto: Jens Wegener
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